Gebet in der Stunde der Trauerfeier und Beerdigung

Liebe Trauernde,
es ist unbeschreiblich bei einer Beerdigung nicht dabei sein zu dürfen – verschlossene Friedhofstore – ausgesperrt. Auch ich konnte schon zu mancher Beerdigung nicht, da ich parallel selbst eine Trauerfeier zu halten hatte. Und ich kenne die Situation im engsten Familienkreis nur mit Ehepartner und Sohn oder auch ganz ohne Trauergemeinde, als ich nur mit einem Bestatter einen Obdachlosen beerdigt habe. Kein schönes Gefühl – würdevoll, aber nicht trostreich – und ich kann die Klage nachvollziehen: „Das hat Mama nicht verdient, sie war immer für alle da und hat überall geholfen und jetzt wird sie einsam beerdigt.“

Die Umstände haben wir uns nicht ausgesucht, wir können nur versuchen damit klarzukommen. Diese kleine Gebetsanregung möge eine Hilfe sein, die Stunde der Trauerfeier von Zuhause aus mitzufeiern und zumindest ein Stück mit Abschied zu nehmen.

Sie können zur Stunde der Trauerfeier und Beerdigung als Trauergemeinde mit beten, auch wenn Sie alleine oder nur in der Hausgemeinschaft versammelt sind.

Guter Gott,

ein Mensch ist gestorben. Ich kannte diesen Menschen gut, ich hab ihn geliebt, wir waren befreundet, haben das Leben miteinander verbracht, gelacht und geweint, manchen Schmerz geteilt. Ein gutes Wort, ein liebevoller Rat, immer hilfsbereit, ein bisschen eigen, Ecken und Kanten, humorvoll, aufbrausend, zurückhaltend, bestimmend – ein jeder Mensch hat seinen eigenen Charakter, seine eigenen Wesenszüge, die sie oder ihn für uns einzigartig und unersetzbar machen.

Jetzt das Corona-Virus – Versammlungsverbote, Ausgangssperren.

Ich habe einen lieben Menschen verloren.  

N.N. (Name der/des Verstorbenen) – Du fehlst mir. Ich vermisse Dich. Ich bin sehr traurig.

Lesung:

Schwestern und Brüder, wir wollen euch über die Verstorbenen nicht in Unkenntnis lassen, damit ihr nicht trauert wie die anderen, die keine Hoffnung haben. Wenn Jesus – und das ist unser Glaube – gestorben und auferstanden ist, dann wird Gott durch Jesus auch die Verstorbenen zusammen mit ihm zur Herrlichkeit führen. Dann werden wir immer beim Herrn sein. tröstet also einander mit diesen Worten! (1 Thess 4, 13-14.17b-18*)

Ich will nicht, aber ich muss Abschied nehmen, viel lieber hätte ich Dich, hätten wir Dich, noch hier gehabt, bei mir, in unserer Mitte. Mir ist so gar nicht nach Abschied nehmen.

Und jetzt? Jetzt muss ich Abschied nehmen, aber mir ist der Abschied verwehrt. Mein Herz ist schwer. Der Tod trennt uns und jetzt in diesem Augenblick fühle ich dieses Auseinandergerissen sein noch mehr, so als würden mich zusätzlich Fesseln und Ketten von Dir fernhalten. Diese wichtige Etappe, dieses letzte Weggeleit, die sogenannte letzte Ehre, ich kann sie Dir nicht geben. Ich kann kein Weihwasser auf Dein Grab tun, ich kann das Werk der Barmherzigkeit – Tote zu begraben – nicht an Dir vollziehen, weil ich keine Schaufel Erde auf Dein Grab tun kann. Diese und andere Ausdrücke meiner Verbundenheit sind jetzt in dieser Stunde nicht möglich.

Ich will Dich jetzt nicht allein lassen, ich will Dir Lebewohl sagen, ich will für Dich beten und Dich schweren Herzens und doch vertrauensvoll in die Hand Gottes geben.

Ich denke jetzt in diesem Augenblick an Dich. So, wie ich Dich kenne. Ich danke Gott, dass wir unsere gemeinsame Zeit hatten und ich danke Dir für alles, was Du für mich warst und auch bleibst, ich danke für Deine Liebe, Deine Freundschaft, Dein Dasein für mich und andere. Danke für ein Stück Leben durch Dich.

Ich bin jetzt nicht an Deinem Grab, aber sobald es geht, komme ich, wenn es mir möglich ist, und bringe Dir Blumen oder eine Kerze mit. Mein Gebet begleitet Dich schon jetzt in dieser Stunde:

Fürbitten

Erfüllt von Trauer und Abschiedsgedanken dürfen wir in den Fürbitten alles, was uns bewegt, vor Gottes Angesicht bringen:

– Es fällt uns schwer heute von N.N. Abschied zu nehmen. Tröste uns und hilf uns, wenn wir sie/ihn heute in Deine Hand geben.

Gott, unser Vater. Wir bitten Dich, erhöre uns.      (folgt nach jeder Fürbitte)

– Wir beten für N.N., belohne ihr/ihm alles, was sie/er Schönes und Gutes für ihre/seine Familie und andere getan hat.

– Wir beten für alle Menschen, die mit schweren Schicksalsschlägen zu kämpfen haben. Lass sie Hilfe und Trost finden.

– Wir beten für uns selbst. Tröste uns und festige unseren Glauben an die Auferstehung und Deine Liebe.

– Wir beten für alle Verstorbenen, besonders für alle, um die N.N. und wir trauerten und trauern. Schenke Auferstehung und Leben.

P: Barmherziger Gott, Du bist das Leben und nichts kann uns Deiner Hand entreißen. Erhöre unser Fürbittgebet, darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn. Amen.

Hier kann ein „Vaterunser“ gebetet werden.

Guter Gott,

Lass N.N. jetzt schauen, was kein Auge geschaut hat und hören, was kein Ohr gehört hat. Lass N.N. erfahren, was keines Menschen Herz jemals gefühlt hat, Du aber denen bereitet hast, die Dich lieben, durch Christus unseren Herrn. Amen.

„Zum Paradies mögen Engel Dich geleiten, die heiligen Märtyrer Dich begrüßen und Dich führen in die heilige Stadt Jerusalem. Die Chöre der Engel mögen Dich empfangen, und durch Christus, der für Dich gestorben, soll ewiges Leben Dich erfreuen.“

Herr, schenke N.N. und allen Verstorbenen die ewige Ruhe. Und das ewige Licht leuchte ihnen. Lass N.N. und alle ruhen in Frieden. Amen.

Hier kann ein „Gegrüßet seist Du Maria“ gebetet werden.

Als Christenmenschen glauben wir, dass es die Auferstehung und das ewige Leben gibt. Seit der Taufe haben wir Anteil am Leben Gottes und es gilt: „Deinen Gläubigen, o Herr, wird das Leben gewandelt nicht genommen. Es gibt ein „Danach“, ein „Nach-diesem-Leben“. „Wir werden für immer beim Herrn sein.“

Gelobt sei Jesus Christus. In Ewigkeit. Amen.

(Bild, Text und Zusammenstellung: Pfr. Matthias Scheer)

Gerne können Sie sich diese Informationen herunterladen und zum Beten in handlicher Form ausdrucken: